Tackling the ‚Hüsli‘

 

 

Typ:
Jahr:
Ort:
Masterarbeit (UCL London)
2017
Lengwil + Steckborn, Thurgau

 

Tackling the Hüsli: Nachhaltige Alternativen zum Einfamilienhause und Verdichtung in ‘sub-ruralen’ Quartieren.

Dilemma: Die Schweiz ist ein kleines Land, das für sein reiches Naturerbe berühmt ist. Betrachtet man die durchschnittliche Bevölkerungsdichte der Schweiz ist die Zahl nicht alarmierend. Angesichts der Tatsache, dass aber fast die Hälfte des Landes unbebaubar ist, wird die Schweiz zu einem der dicht-besiedeltsten Länder Europas. Bei den Planern herrscht Einigkeit darüber, dass die Landknappheit nur durch Verdichtung beseitigt werden kann und Architekten haben mit verschiedenen Wohnprojekten in städtischen Umgebungen bereits kreative Lösungen entwickelt. Obwohl die Politik über die Einwanderung und die stetige Zunahme der Bevölkerung streitet, ist das wahre Problem, die Zersiedelung, ausserhalb der Städte, denn auf dem Land bleibt das Einfamilienhaus das weitgehend unbestrittene Ideal. Dies ist ein ernstes Problem für die Umwelt der Schweiz, da der Bebauungsteppich die Kulturlandschaft gefährdet. Statistiken zeigen, dass 57% aller Wohngebäude Einfamilienhäuser sind, aber nur 27% der Bevölkerung diese bewohnen (BFS, 2017). Darüber hinaus verwendet eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus durchschnittlich 210m2 Land, aber ein freistehendes Haus nutzt 630m2 (SRF, 2012).
Es ist wichtig, zwischen städtischen, vorstädtischen und ländlichen Strukturen zu unterscheiden, da innerhalb der Schweiz der Charakter von Wohnsiedlungen stark variiert. Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks in den Agglomerationen der Städten hat die Verdichtung einen natürlichen Prozess gestartet und die wirtschaftliche Effizienz ist deren Hauptmotiv. Die Schweiz besteht jedoch, abgesehen von wenigen Metropolen, hauptsächlich aus ländlichen Gemeinden. Diese Siedlungen etablierten sich vor allem im 20 Jh und wachsen heute wild weiter. Baugrundstücke für Einfamilienhäuser ordnen sich entlang neu errichteter Straßen und wachsen wie Tentakeln in die Landschaft hinaus.

Erfahrung: Der zweite Teil der Arbeit konzentriert sich auf Präzedenzfälle und persönliche Erfahrungen. Dazu wurde eine Umfrage mit diversen SchweizerInnen durchgeführt und die fast 400 Antworten beweisen, dass der Trend des Einfamilienhauses anhält und auch in den kommenden Generationen weiter existiert. Ebenfalls wurden durch die Umfrage Design-Parameter erhoben, welche wichtig sind um mehr Akzeptanz für Alternativen zum EFH zu erhalten.
Zwei Präzedenzprojekte werden als Referenz genauer untersucht. „Halen“ von Atelier 5 (1961) und „Modular“ von Iseli Architekten (2012). Die Projekte sind grundverschieden, aber ihre Absichten vergleichbar.
Um im Rahmen dieser Arbeit auch selbst ein Projekt zu entwerfen, welches auf einen Ort zugeschnitten ist, konzentriert sich die Arbeit auf einen Kanton mit den typischen „sub-ruralen“ Merkmalen. Thurgau grenzt im Nordosten an Deutschland und Österreich. Mit der Nähe zu den Städten Konstanz und St. Gallen und Zürich, hat der Kanton keine „eigene“ Stadt entwickelt. Es gibt 80 Gemeinden, von denen nur 6 einen semi-urbanen Charakter haben.

Designvorschlag: Ausgehend von der Forschung wurden zwei Vorschläge als mögliche Antworten entworfen. Aufgrund des niedrigen wirtschaftlichen Drucks hat Verdichtung allein auf dem Land wenig Priorität. Deshalb fokussiert eine nachhaltige Lösung auf Kriterien wie Anpassungsfähigkeit, Erschwinglichkeit und das Ziel bei Umzug das Quartier nicht verlassen zu müssen, um so den Menschen wichtige Kriterien bei der Entscheidung für ein EFH zu substituieren.
Die beiden Entwürfe weisen auf zwei unterschiedliche Schwachstellen hin und decken unterschiedliche Skalierungen ab. Das Projekt in Lengwil beabsichtigt eine ganze Nachbarschaft, welche diversifizierten Wohnraum schafft. Dieser behält die Form des Einfamilienhauses, aber in unterschiedlichsten Grössen. Eine der Antworten aus den Interviews war, dass die Leute in der Nachbarschaft bleiben wollen, sobald die Kinder ausgezogen sind. Anstatt also in einem Haus zu wohnen und zu bleiben, können sich die Bewohner innerhalb ihrer Clustereinheit umziehen. Das Projekt in Steckborn dagegen arbeitet im kleinen Rahmen und konzentriert sich auf die Elemente eines Hauses, welche dessen Flexibilität definieren. Wenn die Details sorgfältig geplant werden, kann ein Haus auf unterschiedliche Lebenssituationen reagieren und bleibt so in seiner Modularität nachhaltig.

Skills: Architektur, Grafik, Studium